Rust ist „gastfreundlichste Stadt“ in Deutschland, Roland Mack macht sich Sorgen und taucht plötzlich in einer Rede im Bundestag auf

Endlich wieder mal Freude bei den Ruster Übernachtungsbetrieben: Zum dritten Mal hat das Buchungsportal booking.com die Gemeinde Rust zur gastfreundlichsten „Stadt“ in Deutschland gekürt, das freut alle. Rust ist zwar nur eine Gemeinde mit 4258 Einwohnern (Stand: 31. Dez. 2019) aber booking.com macht aus unserer kleinen Rheingemeinde jetzt eine Stadt – und das ganz ohne Stadtrechte. Merci für diese zusätzliche Freude. Diese Freuden sind rar geworden.

Letztlich kommt dieses Prädikat für 2020 auch nur durch den Publikumsmagneten Europa-Park. Nur seinetwegen kommen die Menschen nach Rust, übernachten und konsumieren. Sie kommen nicht wegen der schönen Nasen der Einheimischen und nicht wegen der atemberaubenden Naturschauspiele. Bürgermeister Kai-Achim Klare bringt seine Sorgen deutlich zum Ausdruck: „Die Corona-Pandemie trifft uns als Heimatgemeinde des Europa-Park hart. Viele unserer Bürgerinnen und Bürger arbeiten in touristischen Betrieben und sind unmittelbar von den Auswirkungen betroffen. Über 250 Unterkünfte können seit Wochen keine Gäste mehr empfangen….“

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Von den 250 Unterkünften sind übrigens der größte Teil Privatvermieter, die teilweise nach Empfehlung der Politik eine zusätzliche Altersversorgung mit Ferienwohnungen und Gästezimmer aufgebaut haben. Sie sind aber als Privatvermieter von der großen „Bazooka“ mit kräftigem „Wumms“ der Minister Peter Altmaier und Olaf Scholz abgehängt. Und zwar komplett. Eine ganz komische Sache!

Auch der Europa-Park, wer hätte das gedacht, wird von der „Bazooka“ nicht getroffen. Christian Lindner brachte es am 28.01.2021 im Bundestag bei seiner Rede zum Jahreswirtschaftsbericht 2021 von Peter Altmaier auf den Punkt. Ein Auszug:
„…Heute stellt sich Peter Altmaier hierhin und spricht von einem robusten Wachstum, und heute lesen wir in den Zeitungen vom baden-württembergischen Unternehmer Roland Mack, bei dem gar nichts an Hilfen angekommen ist und der gar keine Möglichkeiten hat, Hilfen in Anspruch zu nehmen. Herr Kollege Altmaier, die Wahrnehmung, die Sie haben, und die Realität im Land klaffen immer weiter auseinander. Diese Schere sollten Sie schließen.“

Screenshot und Auszug der Rede von Christian Lindner

Roland Mack, der Europa-Park-Gründer, spricht in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ) vom 27.1.2021 eine klare Sprache: „Wir haben Ende Oktober an einem Donnerstag gesagt bekommen, dass wir zum Ende der Woche schließen müssen. Davor hatten wir noch schnell einen Millionenbetrag in Hygienemaßnahmen investiert. Vollmundig wurden 75 Prozent des ausgefallenen Umsatzes angekündigt. Bis heute gibt es dafür aber nicht mal ein Formular, um die zu beantragen“, sagt Mack. Zu diesem Zeitpunkt stand aber die reguläre Wintersaison bevor und fast die gesamte Dekoration war gekauft.

„Ich habe manchmal den Eindruck, man soll in Deutschland kein großes Familienunternehmen führen. Wir waren für alle Förderprogramme zu groß“, klagt Mack im Gespräch mit der FAZ. „Für ein Unternehmen wie unseres mit 5000 Beschäftigten rund um den Europa-Park helfen 50000 Euro nicht, die wären nach einem Tag aufgebraucht. Bei uns geht es um Ausfälle in dreistelliger Millionenhöhe“, rechnet Mack vor. Allein Stromkosten für den Park samt Hotels und Badeerlebniswelt, so die FAZ, beliefen sich auf 15000 Euro am Tag.

Roland Mack verlangt von der Politik klare Perspektiven, nicht die Möglichkeit zur Öffnung im Februar, sondern einfach nur Angaben zu Kriterien für ein Auslaufen des Lockdowns. „Der Schutz von Gesundheit und Menschenleben steht für uns oben an. Dazu steht aber nicht im Widerspruch, eine sinnvolle Öffnungsstrategie für die Wirtschaft zu entwickeln“, sagt der Unternehmer im Interview.

Man könne den Europa-Park nicht von null auf hundert hochfahren: „Ohne Öffnungstermin können wir die Buchungen für den Park und unsere Hotels nicht freigeben. Dort wären dann 6000 Betten zu füllen, dafür sind zwei bis drei Monate Vorlauf nötig, sonst rechnet sich der Betrieb nicht“, resümiert Mack. Die Öffnungsstrategie hält Roland Mack für überfällig, auch wenn man eine Öffnung erst auf Ostern in Betracht ziehen könne. „Und nicht nur wir benötigen eine Perspektive. Das gilt für die gesamte Region, in der unsere Mitarbeiter und Lieferanten leben“, sagt er. Für die Kommunen sah Roland Mack große Steuerausfälle voraus.

Deshalb wird es Zeit, dass uns die Politiker nicht von Lockdown-Light zu Lockdown-Hard jagen und bei jeder Talkshow dabei sein wollen. Sie müssen den Menschen hier in der Region Europa-Park Zukunft aufzeigen und zumindest ein Öffnungsszenario vorbereiten. Das „Licht am Ende des Tunnels“ der Weihnachts- und Neujahrsansprachen hat sich ja als verglimmender Kerzendocht entpuppt. Die Impfungen sind scheinbar auch auf dem Altar der Sparer, Rechner und Unfähigen geopfert worden. Das hat die Menschen mehr als ernüchtert.

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