Offener Brief zur Seilbahn: „Lieber Herr Staatssekretär Bilger……“

Lieber Herr Staatssekretär Bilger,

eigentlich wollten Sie doch nur als Vertreter des Verkehrsministers Andreas Scheuer ihrer Parteikollegin Marion Gentges im Landtagswahlkampf unter die Arme greifen. Und dann schwingen Sie sich im Videotalk zu unerwarteten geistigen Höhenflügen auf. Sie posaunen lauthals und völlig pseudo-kreativ hinaus, dass man eine mögliche Seilbahn nach Frankreich des Europa-Park mit staatlichen Mitteln unterstützen könnte.
Mein lieber Scholli, zum Glück war da der CDU-Alt-Gemeinderat Christian Fix aus Rust online und am Talk beteiligt. Der bremste Sie aus, dass es eine solche Seilbahn über den Taubergießen nicht geben dürfe. Und ich dachte komischerweise beim Lesen des Zeitungsartikels gleich an das Autobahnmaut-Desaster und an den neuen Bußgeldkatalog ihres Chefs. Oder waren Sie da auch beteiligt?

Das Kind lag jetzt zuerst Mal im Brunnen und auch Marion Gentges zeigte sich überrascht: „Das hatte ich nicht auf dem Schirm“, meinte sie laut Badischer Zeitung (BZ). Später wollte sie aber dann doch klarstellen, dass man inzwischen ja Seilbahnen mit sehr großen Spannweiten baut. Da wäre ein Eingriff in das Naturschutzgebiet eventuell gar nicht nötig. Vielleicht könne eine Seilbahn dann sogar eine ökologisch sinnvolle Variante sein. Gentges wird wie folgt in der BZ zitiert: „Man muss sich zumindest Gedanken machen und abwägen können, ohne die Idee von vorneherein zu verteufeln“, versucht sie das Kind im Brunnen zu retten.

Klare Ansage macht da unser Bürgermeister Kai-Achim Klare, sein Name wird zum Programm. Zitat aus der BZ: „Grundsätzlich freut es mich, wenn uns Bundes- und Landespolitik bei der Lösung unserer Verkehrsfragen unterstützen möchten. Wir sind nach Monaten im Lockdown, was den Tourismus angeht, massiv beeinträchtigt gewesen. Unsere wirtschaftliche Situation ist bedrückend. Mein oberstes Ziel ist es daher, die Inzidenzzahlen niedrig zu halten, sodass die Betriebe möglichst bald wieder starten können. Wenn das laufe und es „allen wieder gutgeht“, könne man sich über Verkehrsthemen und damit auch das Thema Seilbahn Gedanken machen. Was die Seilbahn betrifft, ist unsere inhaltliche Linie weiterhin klar: Durch das Taubergießen ist so etwas nicht vorstellbar.“

Ganz klar, dass nach Ihrem kreativen Einwand auch die Bürgerinitiative „Jetzt langt´s“ auf dem Teppich stand und ihr Herzensanliegen „Nein zur Seilbahn“ bekräftigte. Ein anderes Thema haben diese Aktivisten eh nicht. Leider!

Der Europa-Park meinte auf Nachfrage, dass sich eigentlich bei dem Thema „Seilbahn“ nichts geändert habe, das Projekt läge auf Eis. Der Park hat derzeit wohl dringendere Fragen, die von der Politik beantwortet werden müssen, zum Beispiel: „Wann beginnt die Saison?“

Die gleiche Frage stellen sich die vielen Hotels, Pensionen und Gästehäuser und ganz besonders die privaten Vermieter von Ferienwohnungen, die keinen Cent staatliche Hilfe in dem monatelangen Lockdown bekommen haben. Während man Konzernen wie TUI oder Lufthansa Milliardenpakete hinterherwirft, gehen die Menschen, die eigentlich den touristischen Charme einer Region ausmachen, leer aus und müssen ihre Altersversorgung angreifen oder ihre Häuser verkaufen.

Tja, lieber Herr Bilger, was ist die Moral von der Geschicht´? Erledige zuerst Deine Arbeiten auf dem Boden, bevor Du Dich in die Höhe schwingst. Die Menschen dieser Region brauchen keine pseudo-kreativen Höhenflieger. Sie brauchen Politikerinnen und Politiker, die mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen. Die sehen, was die wahren Probleme Ihrer Wählerinnen und Wähler sind und die ihre Sorgen verstehen. Übrigens: Die Hunderte Millionen Euro Schadensersatz der sinnlosen PKW-Maut könnten wir jetzt gut gebrauchen.

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