Roland Mack im „Handelsblatt“: „Die weitere komplette Schließung Stand heute ist unverhältnismäßig und perspektivlos.“

In der aktuellen Wochenendausgabe des „Handelsblatt“ macht Europa-Park-Chef seinem Ärger Luft und klagt über fehlende Perspektiven und über fehlende finanzielle Unterstützung für die Wirtschaft. Er spricht damit den meisten Unternehmern aus der Region rund um den Europa-Park aus dem Herzen. Hart trifft es besonders private Vermieter von Ferienwohnungen in und um Rust. Für sie ist gar kein finanzieller Ausgleich vorgesehen.

Das „Handelsblatt“ hat drei Unternehmerpersönlichkeiten zur Pandemie skizziert und porträtiert. Einer davon ist Roland Mack, der unter der Zwischenüberschrift: „Rust: Ein Vollblutunternehmer klagt an“ klare Worte für das vorherrschende Dilemma findet. Die Redaktion ist der Meinung, dass kaum ein deutscher Unternehmer die Mentalität „Vollblutunternehmer“ konsequenter oder sogar fanatischer leben würde als Roland Mack. Nach der letzten Ministerpräsidentenrunde machte sich Roland Mack im Interview mit dem Handelsblatt Luft: „Bei allem Verständnis für die Belange der Gesundheit sehe ich in den jüngsten Beschlüssen der Regierung einen Offenbarungseid. Die gesamte Last wird auf die Wirtschaft abgeladen, während die Regierung ihre ureigenen Aufgaben, sei es Testen, Impfen, Ausgleichszahlungen, Erarbeiten von Perspektiven, nicht auf die Reihe bekommt.“ – Treffer! Besser hätte man das rum taktieren der Bundesregierung und der Landesfürsten nicht auf den Punkt bringen können.

Roland Mack

„Jetzt ist Macks Lebenswerk bedroht. Erst durfte er den Europapark Ende März 2020 nicht öffnen, dann Ende Mai verspätet mit Begrenzung auf 15.000 Besucher pro Tag – zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben. Aber die Fans waren treu. Als im Internet die Buchungen wieder starteten, wurden sofort rund 2,5 Millionen Tickets bestellt. Dann die erneute Vollbremsung im Herbst und seither die Geisterbahnfahrt durchs Corona-Dunkel. Seit Ende Oktober ruht der Betrieb in Rust komplett“, beschreibt die Redaktion den jetzigen Zustand im Europa-Park, in Rulantica und in Rust.

Roland Mack resümiert: „Das kann so nicht mehr weitergehen! Auch bei einem Unternehmen, das jahrzehntelang gut gewirtschaftet hat, schmelzen die Reserven auf dramatische Weise. Wir haben die Verantwortung für 4.500 Mitarbeiter und deren Familien. Und was ist mit den vielen Schaustellern im Land? Viele dieser Unternehmen werden diese Situation nicht überleben.“ Damit droht dem Stammhaus und der Geburtsstätte des Europa-Park, den „Mack Rides“ in Waldkirch eine wichtige Kundengruppe wegzubrechen.

Für das „Handelsblatt“ ist Roland Mack ein „badischer Berufsoptimist“, aber auch dieser zeigt sich zermürbt: „Wo ist die Hoffnung, von der die Kanzlerin spricht? Das sieht alles eher nach Nebelkerzen aus, um Zeit zu schinden. Mein Verständnis schwindet Tag für Tag. Wenn wir schon alles schließen müssen, was wir ja bislang mittragen, warum ist dann bis heute keinerlei Ausgleichszahlung bei uns angekommen?“. Auch Christian Lindner (FDP) hatte dies vor einigen Wochen mit dem Beispiel Roland Mack im Bundestag nach dem Bericht des Wirtschaftsminister moniert.

Roland Mack hat es immer stolz gesagt, dass der Europa-Park bisher ohne staatliche Subventionen ausgekommen ist. Die Redaktion des Handelsblatt stellt fest, dass der Verlust dieses Stolzes schmerzlich für Roland Mack sei, der im letzten Jahr umfangreiche Konzepte entwickelt hat, um den Betrieb zumindest in kleinerem Stil weiterzuführen. Roland Mack: „Wir haben im vergangenen Jahr mit Millionenaufwand umfangreiche Hygienemaßnahmen in vielfacher Weise bis zur digitalen Steuerung von Warteschlangen umgesetzt. Jeder einzelne Gast wird erfasst. Es gibt nur Online-Tickets. Bei über zwei Millionen Besuchern gab es keinen einzigen Corona-Infektionsfall bei uns 2020. Die weitere komplette Schließung Stand heute ist unverhältnismäßig und perspektivlos.“

Das wird die Bundesregierung und die Ministerpräsidentenrunde nicht aufhalten am Montag wohl die Notbremse zu ziehen. Das Schielen auf Beliebtheitswerte ist für unsere Politiker wichtiger als klare Perspektiven zu erarbeiten. Halt, stop! Für manche war der Handel mit Corona-Masken noch wichtiger.

Bernhard Rein

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