Die unheimliche Begegnung mit der dritten Art / Teil 1 im Taubergießen

Wir waren im Taubergießen unterwegs, hatten uns eine neue Strecke ausgesucht und unsere Wanderung durch den mystischen-veträumten Wald endete am Samstagabend am „Rappenkopf“. Dort trugen gerade zwei Damen und ein Herr ein Kanu über die Brücke über den „Neuen Graben“. An der Rappenkopf-Brücke endet ja die offizielle Bootsroute. Dann gilt es einen kleinen Fußmarsch zu machen bis zur „Zuckerbrücke“. Da kann man wieder einsetzen.

Wir machten einen Schlenker zur Rappenkopfbrücke und kamen zurück. Unsere Entdeckergruppe hatte ihr Kanu am „Whirlpool“ abgestellt. Das ist die Stelle, wo das Wasser des „Neuen Grabens“ durch den Damm hindurch in die Blinde Elz fließt. Dort herrscht eine heftige Strömung und sprudelndes Wasser vor. Genau dort wollte der Herr, der sich ganz betont in Indiana-Jones-Manier kleidete, das Kanu einsetzen, direkt unter dem Schild mit dem durchgestrichenen Boot. Dann merkte er, dass er diese Strömung in seinem gesetzten Alter und auch trotz Adventure-Kleidung sowie Feder am grünen Hut nicht so leicht bezwingen würde. Er machte sich mutigen Schrittes auf die Suche nach einer neuen Stelle, während die Frauen das Kanu bewachten. Er wurde fündig. Er wollte im Abzweig Neuer Graben / Blinde Elz einsetzen. Vielleicht geht es mich nichts an, aber ich musste ihn fragen, ob er blind sei und die Schilder nicht verstehen würde und machte ihn darauf aufmerksam, dass der Einsetzpunkt an der Zuckerbrücke sei und alle Wegweiser dorthin zeigen würden. Der Mann mit olivgrünen Cargo-Shorts und Anglerweste machte mich darauf aufmerksam, dass man hier sehr wohl einsetzen könne. Ich fragte ihn, warum dann wohl dieses Schild da stehen würde. Und dann platzte mir der Kragen: „Wegen solchen Menschen wie sie müssen die Bestimmungen immer härter werden, irgendwann ist dann mal vorbei und dann kommt ein Zaun um den Taubergießen und da nutzt auch ihr grüner Hut mit der Feder nichts“. Der Abenteurer, Mitte 60, schaute mich mit großen Augen und verdutzt an. Ich ging weiter und er setzte sein Kanu mit seinen zwei Damen ein, der Weg an die Zuckerbrücke war wohl zu weit für die betagte Gruppe.

Wir gingen weiter und mir fiel die Ruster Redensart ein: „Des isch als ob mer im Ochs ins Horn pfetzt“ (für Zugereiste: Das ist so, als ob man im Ochsen ins Horn kneift). Leider!

Bernhard Rein

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