Traurig! Die Badische Zeitung macht zum 1. 12. 2018 die Lokalredaktion in der Rohanstadt dicht

„Ein Stück Ettenheim geht dahin.“

Fritz Broßmer in der letzten Ausgabe der „Ettenheimer Zeitung“,
die am 30.1.1941 auf Druck der Nazis eingestellt wurde.

 

Bei der Badischen Zeitung in Freiburg wird gefeiert. Juchhu, das Online-Geschäft nimmt zu und alle Nutzer von Facebook und Co. werden mit dem Online-Angebot sprichwörtlich bombardiert. Wenn das kein Grund zur Freude ist, und die Feste muss man feiern wie Sie fallen: laut, lärmend, schrill und bunt.

Ganz einfach, leise sowie nur in schwarz und weiß kommt eine andere Nachricht daher, die ich ganz einfach in einen anderen Medienstil verpacken will. „Wer die Todesanzeigen hat, der hat die Leserschaft“, munkelte man früher (und vielleicht auch heute?) in den Chefetagen der Zeitungshäuser.

Schade, dass es nun soweit ist. Die „alte, zahnlose Tante Tageszeitung“ (Ephrahim Kishon) wird ihre Heimat Ettenheim verlassen und wird nach Lahr in eine andere Redaktion ziehen.

Tja, da höre ich schon die Befürworter begeistert rufen: „Viel größer, viel effektiver, viel schneller – einfach besser! Das war überfällig!“.

Und da muss ich herzhaft lachen. Was verloren geht, das ist nicht mit Smartphones oder schnellen Datenleitungen zu ersetzen. Es ist der persönliche Kontakt der Zeitungsmacher beim täglichen Gang zum Bäcker oder beim Spaziergang zu einem Termin: „Haben Sie das schon gehört?“, „Schreiben Sie doch mal über….“ und „Wieso steht das nicht in der Zeitung?“

Und jetzt höre ich die Befürworter mich herzlich auslachen. Diese Argumente zählen nicht für sie, in Zeiten von Mail, Handy, Telefon oder vielleicht noch per Fax.

Gut, dann gönne ich mir ein Schmunzeln, mit dem Blick auf mögliche Szenarien in der Zukunft, wo man dann resümiert: „Ja, wenn wir natürlich gerade in Ettenheim gewesen wären!“

Am 30.11.2018 wird wohl der letzte Tag einer Redaktion vor Ort in Ettenheim sein. Auch nach 77 Jahren gilt dann das Zitat von Broßmer noch: Mit der Schließung der Redaktion des „Ettenheimer Heimatboten“ in der Rohanstadt geht meiner Meinung nach ein Stück Ettenheim dahin.

Bernhard Rein

 

Die Geschichte der Zeitung in Ettenheim:

Franz Xaver Leibold, 1843 geboren, Schriftsetzer und Buchdrucker, gründete im Dezember 1872 das „Ettenheimer Wochenblatt“. Und nannte es später in „Ettenheimer Zeitung“ um. Ursprünglich waren seine Geschäftsräume am Rathaus, ab 1874 wurde die Druckerei und Verlag in die Friedrichstraße 35 verlegt. Dessen Sohn Joseph Leibold übernahm Druckerei und Verlag, führt die „Ettenheimer Zeitung“ mit großem Engagement weiter.

1941 wurde die Zeitung auf Druck der Nazis eingestellt, am 30. Januar 1941 verließ die letzte Ausgabe das Haus in der Friedrichstraße. Fritz Broßmer schrieb in dieser Ausgabe „Ein Stück Ettenheim geht dahin.“ Die Verlagsrechte verkaufte Joseph Leibold an die Lahrer Zeitung, die den Titel „Ettenheimer Zeitung“ noch einige Jahre als Untertitel weiterführte.

Franz Xaver Stückle, er hatte bei Joseph Leibold Setzer und Drucker gelernt, seine Ausbildung an der Meisterschule in München erhalten, gründete am 8. Oktober 1949 eine neue Zeitung, „Ettenheimer Heimatbote“ . Damals schrieb Dr. Johann Baptist Ferdinand „Hurra, das Blättle ist wieder da.“  Lange Jahre war der Ettenheimer Heimatbote  sogar eine der kleinsten selbstständigen Zeitungen mit eigener Redaktion, angefangen von der Politik übe Sport, Wirtschaft und Kultur alle Bereiche umfasste, insbesondere den wichtigen Lokalteil mitumfassender Heimatberichterstattung.

Die Entwicklung der Zeit führte im Jahre 1977, am 30. April 1977 erschien der letzte „Ettenheimer Heimatbote“ im Verlag Stückle, zum Verkauf an die „Badische Zeitung“, die ab dort im Bereich Ettenheim den Untertitel „Ettenheimer Heimatbote“ weiterführte. Lange Zeit blieb die Redaktion noch im Anwesen Stückle in der Schwarzwaldstraße bis sie in eigene Räume in der Innenstadt einzog und von dort aus der Lokalteil „Badische Zeitung – Ettenheimer Heimatbote“ redaktionell verantwortet wurde.

Der Ettenheimer Stadtanzeiger, vor 40 Jahren, im März 1977 gegründet als „Von Haus zu Haus – Ettenheimer Stadtanzeiger“ als „Nachfolgeblatt“  des Verlags Stückle geschaffen, ist als Wochenzeitung seit Januar 2004 beim Verlag „Wochenzeitungen am Oberrhein“ angesiedelt und ein Blatt in der Gruppe „bz-medien“.

hpb

 

 

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