Recherche gefällig, gescheite BZ?

Die Badische Zeitung lässt sich von einem holländischen „Investor“ eines vermeintlichen Feriendorfes blenden / Google und ein klarer Verstand machen das Vorhaben viel transparenter

So schreibt die Zeitung „De Limburger“ über die Verurteilung des Großinvestors und man muss sich wirklich fragen, was der Mann verbrochen hat, dass man ihn mit 72 Jahren noch ein Jahr ins Zuchthaus stecken will.

Wow, das war jetzt mal wieder ne Story für die Badische Zeitung: Ein holländischer Investor hat sich die Acker- und Viehzuchtfläche einer „chinesischen Millionärin“ optioniert und plant ein richtig fettes Freizeit-El-Dorado mit See, mit Wohnen auf dem See und anderem Firlefanz.

Und dann hat sich der 46-jährige Guido van Hoogdalem gut umgehört, was man in Rust und Ringsheim präferiert: Mietwohnungen und Parkplätze. Da ist der Holländer nicht kleinlich, da haut er doch glatt ein Monsterparkhaus mit 12.000 Stellplätzen an die A5 und weil es so schön war, da macht er noch 400 Mietwohnungen dazu. Bitteschön, ist doch alles kein Problem!

Tja, der Mann hat Erfahrung mit Großprojekten. Schließlich hat er in den Schweiz schon eine Ferien-Holzhäuschen-Siedlung geplant und projektiert, aber die bösen Schweizer Banken wollten das Projektchen nicht finanzieren.

Also gut, dann kommt halt mal ein Landsmann ins Boot: der 72-jährige Harry Muermans. Moment, der hat doch Stress mit den niederländischen Behörden? Nein, da gibt´s ein Urteil, aber das sei noch nicht rechtskräftig, poliert van Hoogdalem seinem Investor den Heiligenschein wieder auf. Die BZ nimmt´s zur Kenntnis und druckt es ohne Recherche. Die Story ist ja wirklich zu schön und die will man sich nicht von einem niederländischen Gericht versauen lassen. Und ein Telefonanruf zu holländischen Kollegen? Der kostet ja Zeit und Geld, das haben die Redakteure ja nicht.

Ja, die Grafik- und Präsentationsprogramme von heute, die können schon was und von den vielen bunten Bildchen kann man sich schnell blenden lassen. Schaut man allein das 12.000 Stellplätze-Parkhaus an, dann fällt einem die Zufahrt ins Auge. Da gibt es Stauungen bis nach Basel und nach Baden-Baden. Der Standort ist schlichtweg viel zu nah an der Autobahn. Warum fällt das niemandem auf?

Tatsache ist, dass die beiden Holländer Druck auf eine Entscheidung des Zweckverbands ausüben wollen, die eigentlich klar gefällt ist: erst in 5 Jahren oder vielleicht noch später, soll es an dieser Stelle weitergehen. „Da werfen wir als Köder einfach ein Parkhaus und Mietswohnungen aus“, wird sich Guido van Hoogdalem bei seinem bunten Plänchen wohl denken. Die beiden Dorf-Bürgermeister werden dann schon danach schnappen. Schon frech, oder?

Eines ist sicher und sollte auf jeden Fall vermeldet werden: die beiden Holländer können auf den ca. 30 Hektar optionierten Ackergelände Tulpen anbauen und hätten somit sicher die größte Tulpenfarm in Deutschland (Vorsicht, nicht recherchiert!) oder könnten vielleicht Rinder züchten.

Und wenn das Urteil gegen Muermans irgendwann nach seiner Berufung „rechtskräftig“ ist, dann kann der sogar die Tulpensamen für seine Plantage auf Staatskosten abpacken.