Ein Kanu-Kontingent für das Taubergießen muss her! Ungeübte Kanufahrer sorgen für Unruhe im Schutzgebiet

Was habe ich mich heute gefreut, als ich an der Rheinmattbrücke eine Beamtin und einen Beamten des Polizeipostens Rust mit dem Streifenwagen getroffen habe. Es geht also, das Taubergießen wird nicht seinem Schicksal überlassen. Auf der Heimfahrt über die Zuckerbrücke holte mich aber die Realität wieder ein, als ich eine blonde Schöne im Bikini beobachtete, die ihr Stand-Up-Paddel-Brett mit dem Blasebalg aufblies.

„Immer mehr Blesshühner oder Haubentaucher verschwinden“

Fischer aus Rust

Und heute wurde mir an der Zuckerbrücke, dem beliebten Abfahrtpunkt für Taubergießenfahrten, ganz deutlich, wo ein großes Problem für die Unruhe auf dem Wasser liegt. Es sind zu viele Wasserfahrzeuge unterwegs. Der Besucherparkplatz der Zuckerbrücke sieht aus wie ein Basar für Kanus: Überall liegen Boote und stehen Anhänger mit Kanus rum. Ein furchtbares Durcheinander, ein Besucherparkplatz ist das längst nicht mehr, sondern eher ein Marktplatz für gewerbliche Kanuverleiher. Und dann rauschen die Kunden heran, aus allen Herren Bundesländer, mit KFZ-Kennzeichen, die ich nachschlagen müsste.

Die mediale Dauerbegleitung des Gebietes durch Fernsehen, Instagram und Facebook zeigt seine Folgen. Erst gestern hat der SWR ein nettes Filmchen über die „Abenteuer auf dem badischen Mississippi“ veröffentlicht. Den Fernsehmacher ist dabei nicht aufgefallen, dass sie keine Tiervielfalt vor die Linse bekamen, sondern nur Schwäne, deren Population in den letzten Jahren sehr stark angestiegen ist.

Jetzt aber noch mal von vorne: Während die gewerblichen Anbieter für die geführten Touren mit dem Fischerkahn nur zwei Fahrten pro Tag ausführen dürfen, gibt es für gewerbliche Kajak- und Kanuverleiher scheinbar kein Kontingent, das sie maximal erfüllen dürfen. Auch für Privatfahrten ist keine Kontingentierung vorgesehen.

Ich beobachte die Paddler. Manchmal offensichtlich, wie auf der Brücke mit der Polizei und manchmal auch ungesehen. Es zeigt sich mir, dass hier zum größten Teil Menschen mit dem Kanu unterwegs sind, die zum ersten Mal ein solches Gefährt steuern. Es wird gebrüllt und Kinder weinen, wenn diese zum ersten Mal die Wirkung der Brennesel zu spüren bekommen, da „Kapitän Papa“ ungeschickt ans Ufer dozt, weil er seinen „Dampfer“ nicht im Griff hat. Schon von weitem hört man sie kommen, man erkennt sie schon am hektischen ins Wasser klatschen mit dem Paddel. Tja, auch Kanufahren will gelernt sein. Und das lernt man eben nicht in einer kurzen Einführung. Das Problem: Die Paddler wollen dann auch meist spektakuläre Bilder von den Nestern der Wasservögel machen und zerstören diese aus Unachtsamkeit oder Unfähigkeit. „Immer mehr Blesshühner oder Haubentaucher verschwinden“, lamentiert ein Fischer.

Zwischendurch kommen dann immer wieder die Kanus oder Boote von Privatfahrern, die können fahren. Sie sitzen aber in Bikini und Badehose im Gefährt und das lässt erahnen, dass sie später unbeobachtet das „Badeparadies Taubergießen“ nutzen wollen. Dazu eine schöne Pause am Rande der Strecke, das sieht man auch an den Kühltaschen mit Getränke und Proviant, die sich im Boot befinden. Beides ist strengstens verboten und das Zelt im Boot lässt noch Schlimmeres erahnen.

Inzwischen gibt es neue Schritte: Die Polizeit ist täglich mehrere Stunden im Schutzgebiet unterwegs und die Gemeinde Rust will das Parken an der Zuckerbrücke anders regeln, der letzte Ausweichparkplatz des Europa-Park soll als neuer Parkplatz dienen. Dies wäre eine Entzerrung der Parksituation an der Zuckerbrücke. Bringt es aber was für die Zustände auf dem Wasser?

„Die Befahrung durch Kanus muss mit Kontingenten geregelt werden,
wie dies auch schon mit den geführten Fahrten geregelt ist“

Meine Forderung an das Regierungspräsidium

Hier würde sich eine ganz klare Regelung mit Kontingenten anbieten, wie dies auch auf der Donau praktiziert wird. Die gesamte Fahrstrecke wird einfach auf drei Teilabschnitte beschränkt: Rheinhausen-Oberhausen bis Rust-Doppelwehr / Rust-Zuckerbrücke bis Kappel-Saukopfbrücke / Kappel-Saukopfbrücke bis Wittenweier / neues Elzbauzwerk. Auf der gesamten Strecke werden pro Tag eine gewisse Anzahl von selbst gelenkten Booten zugelassen. Gewerbliche Vermieter erhalten einen bestimmten Anteil des Kontingents. Hierzu werden „Befahrungsscheine“ an die Nutzer gegen Gebühr ausgegeben. Mit dem Kauf wird die Naturschutzverordnung als „gelesen, verstanden und brav sein“ akzeptiert.

Eigentlich eine einfache Lösung, die mir nach 15 Minuten googeln ins Auge fiel.

Kommentar verfassen